Der Hall klingt nach…

Ein schöner Tag an einem schönen Ort in der Schweiz.

Motorradrennen. Supermotard. Halb Offroad halb Strasse.

Die Königsklasse fährt gerade ihren ersten Rennlauf. Die Trainingsläufe und Zeitläufe verliefen bei dieser Klasse ohne Zwischenfälle.
Kurz vor Ende des ersten Rennlaufs kommt auf der langen Gerade ein Fahrer angeschossen. Ich denke noch: “Der kommt verdammt schnell” und schon hör ich den Knall. Mit geschätzten 100km/h ist der Fahrer mit seiner Maschine gegen die Wand geknallt. Während ich nachschaue ob noch Fahrer auf der Geraden sind, bewege ich mich zügig in Richtung Unfallstelle. Die Petsäcke welche an die Wand gestellt wurden um allfällige Stürze abzufedern sind noch nicht ganz zum stehen gekommen als ich schon bei der Unfallstelle eintreffe. Ich knie mich beim Patienten hin und spreche ihn an. Als Antwort erhalte ich ein gepresstes: “ich kann nicht atmen”.

Mir wird sofort klar, dass ich nur noch ca. 60 Sekunden habe bis das Feld erneut an dieser engen Stelle ankommen wird. Ich rufe in meinen Funk rein: “Achtung schwerer Sturz in der Zielkurve! Sofort Rennabbruch. Ich wiederhole Rennabbruch, Rennabbruch Rennabbruch!” Der Einsatzleiter fragt gemäss unseren Algorithmen nach: “Bitte wiederholen.” Erneut rufe ich in mein Funkgerät: “Rennabbruch, Rennabbruch, Rennabbruch und sofort Unterstützung!”

In der Zwischenzeit kommen bereits die ersten Sportkommissäre zum Unfallort. Und währen ich mich umschaue kommen bereits die Fahrer wieder angeschossen. Dank der Hilfe der Kommissäre und den äusserst guten Streckenposten sind der Fahrer und ich gut gesichert.

Ich versuche den Patienten zu beruhigen und öffne im sein Kombi. Dies erleichtert ihm die Atmung etwas. Ich sehe bereits unsere Ärztin in Richtung Unfallstelle rennen und höre über Funk, dass sich auch unser Fahrzeug auf den Weg gemacht hat.

Zu fünft schneiden wir den Patienten aus seinem Kombi, nehmen ihm den Helm ab, ziehen ihm Halskragen an, legen zwei grosslumige Zugänge und beginnen mit der Analgesie während die Rettungsflugwacht bereits im Anflug ist. Zusammen mit der REGA legen wir den Patienten in Narkose und intubieren ihn. Ich selbst übernehme das Steuer auf dem Weg zum Helikopter.

Kurze Zeit später hebt der Heli mit dem Patienten in Richtung Klinik der Maximalversorgung ab. Wir haben nur wenig Zeit für eine kurze Nachbesprechung des Falles, denn der Rennnachmittag geht weiter. Der zweite Lauf der Königsklasse wurde aus Rücksicht auf den Patienten ausgelassen, jedoch wird der dritte ausgetragen. Doch den ganzen Nachmittag fahren die Fahrer viel vorsichtiger als vor dem Unfall.

Später erfahren wir, dass der Patient ein Hämatotopneumothorax hatte, einige Wirbelkörper angebrochen sowie ein SHT ersten Grades. Ebenfalls wurde die Unfallursache herausgefunden. Das Bremskabel ist gerissen weil es der Belastung des Rennens nicht mehr Standhalten konnte.

Noch heute wenn ich an diesen Fall zurück denke hör ich den Knall als der Fahrer in die Wand geklatscht ist. Obwohl ich gute 30 Meter von der Stelle entfernt war.

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